Kunstverein Achim und Stadt Achim

Gabriele Schnars - Martin McWilliam

"betont - imbilde"
Malerei und Keramik


So., 21. Oktober bis So., 18. November 2001 im Haus Clüver



Trotz der Unterschiede von Herkunft und Arbeitsfeldern - die Malerin Gabriele Schnars stammt aus Zeven, der Keramiker Martin McWilliam aus Kapstadt - kommen sich die Werke beider Künstler in Farbgebung und Flächen- Struktur nahe; erdhafte Töne mit feinen Differenzierungen und haptisch rauhe Oberflächen schaffen visuelle Beziehungen, ohne die Eigenarten der beiden Oeuvres in Frage zu stellen.

Gabriebel Schnars - Ambra Gabriele Schnars malt Bilder unter dem Eindruck norddeutscher Landschaft, ohne den Klischees der Heimatmalerei zu verfallen. Während des Arbeitsprozesses entscheidet sie sich für die Intensität der Abstraktion. Die Malerin entwickelt ihre Motive häufig aus der Betrachtung der Strukturen des Wassers und des Lichts. Ein weiterer Schritt zur Distanzierung ist das Einbeziehen von Materialien wie Sand als tastbares Mittel, der Oberfläche den Glanz zu nehmen, oder Pergament- Collagen, die gegenüber der Malerei selbständige und zufällige Formen behaupten. So entstehen in ihrem Oeuvre Spannungen zwischen tiefenräumlichen Landschaften mit Realitätsrelikten und frei gesetzten Farbfeldern.
Bei der Arbeit folgt die Künstlerin nicht einem Plan, sondern spontan und mit Esprit der ersten Entscheidung. Makrokosmische Räume und mikrokosmische Strukturen verbinden sich in ihrem Werk zur Idee einer Einheit des Alls. Besonderer Augenmerk gilt der in der Natur aufgefundenen Rhythmik, die in Lineamenten aufgenommen wird. Andererseits können Liniengefüge auch Auseinandersetzungen mit fremder Kunst andeuten, wobei es der Künstlerin nicht um das Sichtbarmachen von Beziehungen, sondern um eigene Erlebnisse gegenüber fremden Bildern geht. Gabriele Schnars hat zudem die Eigenart, Bilder mit einem Vornamen zu bezeichnen, sei dieser nun alltäglich oder mythologisch; das weckt auch beim Betrachter Assoziationen und zwingt ihn, in das Bild hineinzusehen, um Zusammenhänge zu suchen. Tatsächlich verbinden sich mit Namen Erinnerungen der Künstlerin, die während des Malprozesses geweckt werden.

Martin McWilliam - Slab Bowl Martin McWilliam spielt bei seinen Gefäßen, deren Farbgebung bereits angedeutet ist, mit der Spannung zwischen Volumen und Perspektive. Er reduziert das Bauchige bis an den Rand funktionaler Zulässigkeit zur Fläche, gibt aber bei flacher Aufsicht den Randbereichen ausladende Formen. Dadurch erscheint die Aufsicht verkürzt und das Volumen wenigstens der Vorstellung nach gerettet. In perspektivischer Sicht ist das Gefäß volumenhaft stark.
Eine andere Möglichkeit ist überraschend: Der Künstler kann Gefäße halbieren und damit den Betrachter zwingen, sich die Ergänzung zu denken. Auch die halbierte Form mit ihren harten Konturen ist ein nur scheinbar unvollkommenes plastisches Objekt ähnlich jenen Arbeiten, bei denen Rundungen elegant dem Kreis entgleiten. Diese Kompositionsmethoden vermitteln der Tradition der Keramikgefäße ganz neue Aspekte. Die klare Formgebung wird durch Alternativen und Illusionen der Form in Frage gestellt.
Der Künstler geht noch einen Schritt weiter, wenn er zum einzelnen Gefäß ein zweites und drittes als Korrespondenz im Raum hinzufügt. So entwickelt sich ein Formendialog, in dem extreme Proportionen, kopflastige Spannungen und räumliche Dimensionen in der Positionierung der einzelnen Gefäße untersucht werden. Der Schritt zur keramischen Installation, ohne den Charakter des Gefäßes aufzugeben, ist vollzogen.
Zu dieser einzigartig phantasievollen Formgebung und der feinfühligen Farbigkeit der Objekte kommt die hohe Qualität des Brennens. Dafür hat sich Martin McWilliam einen japanische Dreikammer-Ofen gebaut, dessen Technik er in Japan studiert hatte. Das Ergebnis: Sein Werk ist eine überzeugende Alternative zu den hierzulande gepflegten klassischen Traditionen.
Jürgen Weichardt

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